Stadtgeschichte von Berlin

Gegen 720 siedeln sich in der ursprünglich von Germanen bewohnten Gegend zwei Slawenstämme an. Die Heveller an der Havel, deren Zentrum Brennabor, das heutige Brandenburg, ist und die Sprewanen an der Spree, die sich für das heutige Köpenick verantwortlich zeigen. Im 8. Jahrhundert entsteht um die Burg Spandow die erste annähernd städtische Siedlung. Gegen 825 werden die Burgsiedlungen Spandau und Köpenick befestigt, sie bleiben bis ins frühe 11. Jahrhundert die größten Wohnstätten der Umgebung.

Im Jahr 1127 kommt in Brenna (Burg Brandenburg) der Hevellerfürst Pribislaw an die Macht. Den Deutschen gelingt es, Pribislaw - fortan: Heinrich - zu christianisieren und das Heveller-Gebiet, Brandenburg bis Spandau, in das Deutsche Reich einzubinden. Die Brandenburg (Brennabor) wird Reichsfeste und Bischofssitz. Die umstrittene Ostgrenze verlief damit zwischen den beiden slawischen Stämmen, den Hevellern und den Sprewanen, geographisch sehr grob gekennzeichnet auf einer Linie der Flüsse Havel und Nuthe. Auf der östlichen Seite in Köpenick residierte der Sprewanenfürst Jaxa von Köpenick. Die Religion Jaxas und der Sprewanen wurde im Gegensatz zu den christianisierten Hevellern weiterhin von slawischen Gottheiten wie Radegast oder Triglaw bestimmt. 1134 wird der Askanier Albrecht der Bär Markgraf der Nordmark, die nach der Christianisierung "Altmark" genannt wird. Im selben Jahr gelingt es Albrecht, dem kinderlosen Pribislaw-Heinrich die Zusage abzuringen, dass er nach dessen Tod als sein Erbe und Nachfolger eingesetzt würde. So kann er nach dessen Tod im Jahr 1150 die Residenz der Heveller, die Burg Brandenburg, weitgehend unblutig übernehmen. Die Burg Spandau ließ er als askanische Burg neu errichten. In einem Schutzbrief des Marktgrafen Otto II. aus dem Jahr 1197 wird Spandau erstmalig schriftlich erwähnt. Als Zeuge tritt ein Burgvogt "Everardus advocatus in Spandowe" auf.

1230 gründen die Markgrafen und Brüder Johann I. und Otto III., Berlin und Cölln. Zum ersten Mal wird Cölln am 28. Oktober 1237 von Pater Simeon urkundlich erwähnt, und Berlin am 27. April 1244. Am 26. Februar 1251 wird Berlin von einem Probst Simeon zum ersten Mal als Stadt erwähnt. Im Jahre 1280 tritt Berlin als Sitz einer marktgräfliche Münzstätte in Erscheinung.

1307 erhalten Berlin und Cölln eine gemeinsame Verwaltung mit einem Verhältnis von 2:1. Die askanischen Markgrafen werden 1323 von den bayerischen Wittelsbachern abgelöst, denen 1373 die Luxemburger folgen. Ein erster allgemeiner Landtag der Mark Brandenburg tritt 1345 in Berlin zusammen. 1348 erschüttert die Pest die Stadt. Man sucht nach Schuldigen und findet sie, wie stets, in Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, die seit ca. 1250 in der Gegend ansässig ist. So wird die jüdische Gemeinde Berlins 1349 Opfer der "Vergeltung", die mehreren jüdischen Mitbürgern das Leben kostet. 1380 wütet im Berliner Teil der Stadt eine Feuersbrunst, die fast die gesamte Stadt, samt Kirchen einäscherte und Tausende von Todesopfern fordert. Die Doppelstadt Berlin-Cölln läßt um 1390 das "Berlinische Stadtbuch" anlegen, das als Chronik alle Abschriften wichtiger Vertragsurkunden, Gesetze und Gerichtsurteile festhält. 1391 begeht die Stadt einen weiteren wichtigen Schritt zur Selbständigkeit, als sie vom Schulzen Tyle Brügge das wichtige Schultheißenamt samt Gerichtsbarkeit "an Hals und Hand" gegen Zahlung von 356 Schock böhmischer Groschen erwirbt.

Auf dem Konzil zu Konstanz am 30. April 1415 ernennt König Sigismund Friedrich I. zum Markgrafen und Kurfürsten. Am 21. Oktober 1415 huldigen ihm die brandenburgischen Stände auf einen Landtag zu Berlin. Bis 1436 erwirbt die Stadt die Johanniterdörfer Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Richardsdorf (seit 1912 Neukölln) auf dem südlich liegenden Landrücken Teltow. 1437 teilt der ständig abwesende Kurfürst Friedrich I. seine brandenburgischen und fränkischen Lande. Friedrich II. "Eisenzahn" aus dem Hause Hohenzollern wird neuer Kurfürst von Bandenburg. Als der Kurfürst 1443 eigenhändig den Grundstein zum Schlossbau auf der Werderinsel legt, fühlen sich die Berliner in ihren stadtbürgerlichen Privilegien bedroht und lehnen eine feudale Zwingburg ab. Der angestaute bürgerliche Unmut mündet schließlich in einem Aufstand. Da jedoch die Unterstützung durch andere Städte ausbleibt, bricht die Bürgerrevolution schnell zusammen.

Am Ufer der Spree entsteht 1443 - 1451 das erste Stadtschloss. 1451 zieht der kurfürstliche Hof auf das neu erbaute Berliner Schloss. Die Spandauer Burg verliert an Bedeutung und dient fortan als Wohnsitz für die Witwen der Kurfürsten. 1470 erklären die Brandenburgischen Kurfürsten Berlin zu ihrem Regierungssitz.

1510 werden in Berlin 36, zu Unrecht des Diebstahls und der Hostienschändung beschuldigte, Juden verbrannt. Obwohl der wahre Täter, ein Kesselflicker, bereits gefunden ist, werden die Vorwürfe gegen die Juden weiter aufrecht erhalten. Am Margarethentag, dem 20.7., werden 36 Juden und der Kesselflicker dem Scheiterhaufen übergeben. Ab 1527 nimmt Kurfürst Johann Georg kalvinistische Flüchtlinge aus den Niederlanden auf. Der schwarze Tod fordert 1527 in Berlin mehr als 4000 Tote. 1539 wird Berlin, wegen der, durch Kurfürst Joachim II. eingeleiteten, Reformation zu einer wichtigen Stadt des Protestantismus. Am 8. August 1567 inszeniert Kurfürst Joachim II. eine kämpferische Auseinandersetzung zwischen Berlinern und Spandauern. Von vorneherein ist vereinbart, dass den Berlinern der Sieg zusteht. Allerdings rechnet man nicht mit dem Ehrgeiz der Spandauer. Diese locken die Berliner in einen Hinterhalt und schlagen mit ihren Knüppeln auf sie ein. Zur Strafe lässt der Kurfürst den Spandauer Bürgermeister Bartholomäus Bier für einige Monate einsperren. Die Begebenheit geht als Knüppelkrieg in die Geschichte ein. 1594 wird die Zitadelle Spandau im neuitalienischen Stil mit Bastionen und Kurtinen vollendet.

Im Dreißigjährigen Krieg 1618 - 1648 erleidet Berlin herbe Verluste. Die Einwohnerzahl schrumpft von 10.000 auf 6.000. 1640 geht die Herrschaft auf den großen Kurfürsten Friedrich Willhelm über. Unter seinem strengen Absolutismus erwächst Berlin mit 20.000 Einwohnern zu den großen Städten Europas. 1671 wird wieder eine jüdische Gemeinde in Berlin gegründet. Durch das Edikt von Potsdam 1685 strömen Tausende in Frankreich verfolgte Hugenotten in die Gegend. Viele von ihnen siedeln sich ab 1688 unter Kurfürst Friedrich III. in der Friedrichstadt an.

Am 11. Juli 1700 gründet man die Kurfürstlich-Brandenburgischen Sozietät der Wissenschaften, deren erster Präsident Gottfried Wilhelm von Leibnitz ist. Am 18. Januar 1701 wird Friedrich III. zum König Friedrich I. "in Preußen" gekrönt, der Berlin zur Hauptstadt seines neuen Königreiches macht. Aus den Städten Berlin, Cölln, Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt wird 1709 die Einheitsgemeinde Berlin geschaffen. 1710 gründet König Friedrich I. die Charité. 1713 tritt Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig die Regierung an. Damit eine Art Binnenzoll erhoben werden kann und damit die, meist in die Armee gepressten Söldner nicht fliehen konnten, wird 1734 mit dem Bau einer Stadtmauer begonnen, die 1736 fertiggestellt ist.
1748 kommt Gotthold Ephraim Lessing nach Berlin und ab 1749 tagt mit dem Montagsklub eine Vereinigung von Literaten, dies führt dazu dass Berlin zu den Keimzellen der Aufklärung gehört.
1781 beginnt mit der ersten englischen Spinnmaschine die Industrialisierung.

Brandenburger Tor in Berlin Um 1800 ist Berlin mit 172.000 Einwohnern führende Industriestadt Preußens. Als 1805 Zar Alexander I. Berlin besucht wird ihm zu Ehren der Marktplatz am östlichen Georgentor Alexanderplatz genannt. Am 27. Oktober 1806 zieht Napoleon durch das Brandenburger Tor in die preußische Hauptstadt ein. Berlin steht bis Dezember 1808 unter französischer Besatzung.
1810 wird die Friedrich-Wilhelm-Universität unter Mitwirkung Wilhelm von Humboldts gegründet. Am 11. März 1812 wird im preußischen "Edikt über die bürgerlichen Verhältnisse der Juden" ca. 30.000 Juden bürgerliche Gleichberechtigung ausgesprochen. Preußen erklärt am 16. März 1812 offiziell Frankreich den Krieg. 1815erhält die höchste Erhebung der Tempelhofer Berge, auf der das Nationaldenkmal für die Befreiungskriege errichtet wird, den Namen "Kreuzberg" (nach der kreuztragenden Viktoria). 1816 fährt auf der Havel und der Spree das erste deutsche Dampfschiff. Am 11. Januar 1834 tritt in Berlin der Deutsche Zollverein tritt in Kraft, der eine wirtschaftliche Vereinigung deutscher Staaten ist und damit eine Vorstufe zum Deutschen Reich von 1871.

1840 besteigt Friedrich Wilhelms IV. den Thron. Bei Barrikadenkämpfen während der Märzrevolution 1848 lassen 216 Berliner ihr Leben. 1861 wird Wilhelm I. König von Preußen. Am 18. Januar 1871 gründet man das Deutsche Reich unter Kaiser Wilhelm I. Berlin wird Residenz des Deutschen Kaisers und Reichshauptstadt, die Einwohnerzahl übersteigt 800.000. Im Dreikaiserjahr 1888 sterben Wilhelm I. und Friedrich III., und Wilhelm II. wird Kaiser. Nach Entlassung des Reichskanzlers Otto v. Bismarck 1890 prägt Wilhelm II. einen national-konservativen Politik-, Lebens- und Baustil ("Wilhelminismus"), der sich heute noch in Bauwerken wie der Kaiser-Wilhelm-Gedächniskirche oder dem Berliner Dom wiederspiegelt. Im neuen Reichstagsgebäude (Wallot-Bau) findet am 6. Dezember 1894 die erste Reichstagssitzung statt.

Durch die Eröffnung des südlich der Stadt von Köpenick nach Potsdam verlaufenden Teltow-Kanals wird Berlin 1906 zu einer der großen Binnenhafenstädte Europas. 1907 eröffnet in Charlottenburg das Kaufhaus des Westens (KaDeWe), das heute Europas größtes Kaufhaus ist. Im ersten Weltkrieg 1914 - 1918 gerät die Berliner Bevölkerung durch Lebensmittel- und Brennstoffknappheit in große Not. Am 9. Dezember 1918 dankt Kaiser Wilhelm II. ab und die Deutsche Republik wird durch den SPD-Politiker Philipp Scheidemann vom Balkon des Reichstags ausgerufen. Im Frühjahr 1919 zwingen die politischen Unruhen in Berlin die gewählten Reichstagsabgeordneten nach Weimar auszuweichen. 1921 wird die 9,8 km lange AVUS als erste deutsche Autorennstrecke durch den Grunewald eröffnet.

Am 30. Januar 1933 wird Hitler zum Reichskanzler ernannt. Dies wird mit einem Fackelzug der SA durch das Brandenburger Tor gefeiert. Der Berliner Magistrat wird am 15. März 1933 abgesetzt, die NSDAP ernennt einen "Staatskommissar von Berlin". Am 10. Mai 1933 findet auf dem Opernplatz gegenüber der Berliner Universität eine Verbrennung von 20.000 Büchern "undeutschen Geistes" statt. Die XI. Olympischen Sommerspiele werden am 1. August 1936 im neuen Berliner Olympiastadion auf dem 1934/36 angelegten "Reichssportfeld" eröffnet. Am 18. Oktober 1941 beginnt die gezielte Deportation Berliner Juden in Konzentrations- und Vernichtungslager. Die Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 endet mit einer sog. "Endlösung" der ca. 6 Millionen Juden, 500.000 Sinti und Roma sowie etwa 1 Million Angehörige anderer ethnischer Gruppen, politisch Verfolgte, Zwangsarbeiter(innen) und Zwangsdeportierte, Homosexuelle und geistig Behinderte zum Opfer fallen. Am 18. Februar 1943 ruft Goebbels im Berliner Sportpalast zum "Totalen Krieg" auf. Ab 1943 wird Berlin immer wieder Opfer von alliierten Luftangriffen. Ca. 50.000 Menschen finden dabei ihr Ende. Am 30. April 1945 begeht Adolf Hitler im Bunker der Reichskanzlei Selbstmord. Am 8. Mai 1945 wird von der Wehrmacht in Berlin-Karlshorst die Gesamtkapitulation unterzeichnet. Berlin erhält den "Viermächte-Status" und wird in vier Sektoren geteilt.

Nach der Währungsreform im Juni 1948 wird in Westdeutschland die Deutsche Mark eingeführt, in Berlin werden die Banknoten durch ein aufgestempeltes "B" gekennzeichnet ("Bären-Mark"). Am 24. Juni 1948 blockieren sowjetische Sperrungen die Land und Wasserwege in die drei Westsektoren Berlins. Ab dem 26. Juni 1948 wird West-Berlin, auf Veranlassung des amerikanischen Militärgouverneurs General Lucius D. Clay, mittels einer Luftbrücke versorgt. Im November 1948 erfährt die Stadt, durch die Proklamation eines Magistrats auf einer Funktionärsversammlung der SED, auch die politische Spaltung. Behinderungen an der in Ost-Berlin gelegenen Humboldt-Universität führen am 4. Dezember 1948 zur Gründung der "Freien Universität" in West-Berlin. Am 12. Mai 1949 brechen die Sowjets die Blockade ab. Bei Verkündung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 erhält Berlin den Status eines Bundeslandes unter alliierten Vorbehalten. Am 7. Oktober 1949 wird die Deutsche Demokratische Republik in ihrer Hauptstadt Ost-Berlin ausgerufen. Auf Befehl von Walter Ulbrichts sprengt man am 6. November 1950 das Berliner Stadtschloss. 1951 werden die Internationalen Filmfestspiele Berlin auf Initiative der drei Westalliierten gegründet. Am 6. Juni 1951 eröffnen im traditionsreichen Titania-Palast die ersten Internationalen Filmfestspiele Berlin. Als Eröffnungsfilm läuft Alfred Hitchcocks Rebecca. Im Mai 1952 unterbricht die DDR die Telefonverbindungen zwischen Ost- und West-Berlin und untersagt West-Berlinern grundsätzlich die Einreise in die Gebiete der DDR außerhalb Ost-Berlins. Diese Repressalien führen zu einem Volksaufstand in der DDR, Mitte Juni 1952 gehen Tausende auf die Straße. Der Aufstand wird unter Einsatz des sowjetischen Militärs niedergeschlagen; ca. 260 Demonstranten und 100 Polizisten werden getötet, fast 5.000 Verhaftungen folgen.

Am 13. August 1961 beginn die DDR den Bau der Berliner Mauer, dem antifaschistischen Schutzwall. Am 26. Juni 1963 besucht US-Präsident John F. Kennedy Berlin und gibt vor aller Welt ein Treuebekenntnis der Schutzmacht USA zu Berlin-West ab: "Ich bin ein Berliner".
1967 wird bei Studentendemonstrationen gegen den Besuch des Schahs von Persien der Student Benno Ohnesorg erschossen. Dies ist der Start für die militanten Aktionen der Außerparlamentarischen Opposition (APO) in Berlin und West-Deutschland. Am 3. September 1971 unterzeichnen die Botschafter der drei Westalliierten und der Sowjetunion das Viermächte-Abkommen, das im Juni 1972 in Kraft tritt. West-Berlin erhält dabei eine völkerrechtsverbindliche Garantie seines Sonderstatus. An Stelle des ehemaligen Berliner Schlosses wird am 27. April 1976 der Palast der Republik eingeweiht, in dem fürderhin auch die DDR-Volkskammer tagt. In West-Berlin beginnt am 12. Dezember 1980 mit einer mehrstündigen Straßenschlacht die Autonomenbewegung, gegen die der West-Berliner Senat am 22. September 1980 mit Polizeigewalt vorgeht. Zwei Demonstranten sterben. 1987 feiert die Stadt ihr 750jähriges Bestehen. 1988 ist West-Berlin Kulturhauptstadt Europas.

Bei der 40-Jahr-Feier der DDR am 7. Oktober 1989 demonstrieren nahezu 3000 Menschen in Ost-Berlin. Am 4. November 1989 versammeln sich ca. 1 Mio. Menschen auf dem Alexanderplatz. Es werden zunehmend Rufe nach einem vereinigten Deutschland laut. Schließlich werden am 9. November 1989 die Übergänge der Berliner Mauer geöffnet. Am nächsten Tag strömen ca. 600.000 DDR-Bürger nach West-Berlin. Der 3. Oktober 1990 wird zum Schicksalstag: Die Deutschen Demokratischen Republik dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei. Berlin wird Bundeshauptstadt. Der Regierungsapparat bleibt vorerst in Bonn, bis am 20. Juni 1991 ein Beschluss des Deutschen Bundestags entscheidet, dass die Regierung und der Bundesrat nach Berlin umziehen. In den folgenden Jahren werden in Berlin großflächige Sanierungsmaßnahmen vollzogen, im Herbst 1993 startet ein Sanierungsprogramm für 273.000 Wohnungen in den östlichen Bezirken der Stadt. Am 10. März 1994 wird das Umzugsgesetz Berlin-Bonn durch den Deutschen Bundestag verabschiedet. Im Spätsommer 1994 verlassen westalliierte und russische Streitkräfte Berlin, damit ist der seit 1945 andauernde Sonderstatus alliierter Vorbehaltsrechte beendet. Ab Oktober 1994 betreibt man eine Wiederbelebung des Raums Potsdamer/Leipziger Platz, der nach Krieg und Mauerbau recht heruntergekommen ist. Bald ist hier die größte Baustelle Europas. Im Mai 1995 wird ein Teil der 1943 zerbombten Neuen Synagoge wiedereröffnet. Die jüdische Gemeinde in Berlin ist mit etwa 10.000 Mitgliedern die Größte Deutschlands. Vom 24. Juni bis 7. Juli 1995 zieht der von Christo und Jeanne-Claude verhüllte Berliner Reichstag über 5 Millionen Besucher an. In einer Volksabstimmung am 5. Mai 1996 stimmen die Brandenburger Bürger mit 63% gegen ein vereintes Bundesland Berlin-Brandenburg, in Berlin stimmte man mit 53,4% dafür. Am 15. November 1996 wird der Grundstein für das Bundespräsidialamt im Bereich des Spreebogens gelegt. Die Deutsche Bank richtet sich ab April 1997 Unter den Linden in einem Gebäue aus dem 19. Jahrhundert ein und eröffnet im Untergeschoss, in Zusammenarbeit mit dem Guggenheim-Museum, eine öffentlich zugängliche Ausstellungsfläche. Im Juli 1997 erreicht die Love Parade eine neue Rekordmarke mit fast 1 Millionen Teilnehmern. Am 13. August 1998 wird ein 70m langes Mauer-Mahnmal an der Bernauer Straße Ecke Ackerstraße eingeweiht.

Reichstag in Berlin Am 19. Aprli 1999 tagt der Bundestag erstmalig im neuen Reichstagsgebäude. Der Umzug von Bonn nach Berlin ist am 23. August 1999 abgeschlossen, als der Bundeskanzler seine Geschäfte an seinem provisorischen Amtssitz, dem ehemaligen DDR-Staatsratsgebäude, aufnimmt.

Das Sony-Center mit der Europa-Zentrale des Konzerns am Potsdamer Platz öffnet am 15. Juni 2000 mit vielen Restaurants, dem Film-Museum Berlin, Kinos und dem Hauptsitz der Deutschen Bahn seine Pforten. Der Bundesrat nimmt am 31. Juli 2000 seine Arbeit im ehemaligen "Preußischen Herrenhaus" in der Leipziger Straße auf. Am 9. November 2000 demonstrieren ca. 200.000 Menschen in Berlin/Mitte Gegen Rassismus und für Toleranz. Am 23. Januar 2002 wird das, neben dem Reichstag gelegene, Jakob-Kaiser-Haus als Parlamentsgebäude bezogen. Der Bau kostet rund 580 Millionen Euro. Erstmalig in deutscher Geschichte findet in Berlin am 25. August 2002 ein TV-Duell zwischen zwei Kanzlerkandidaten statt. Zwei Wochen später erscheinen die Kandidaten Schröder und Stoiber zu einem erneuten Schlagabtausch. Am 5. Februar 2003 findet in Berlin die größte Friedenskundgebung seit 1945 statt. Mehr als 500.000 Menschen zeigen sich gegen einen Krieg im Irak.
2004 gastiert mit 200 Werken die berühmteste Sammlung der Welt - die des Museum of Modern Art, New York - sieben Monate in Mies van der Rohes Neuer Nationalgalerie in Berlin - als einziger Station in ganz Europa. 1,2 Millionen Besucher schrecken auch vor langen Wartezeiten nicht zurück.